Frauenberg_

Frauenberg, das kleine Kirchdorf über dem Isartal

 

 

Herzlich willkommen auf unserer privaten Website über Frauenberg. Dieser östlichste Stadtteil von Landshut liegt eingebettet zwischen Wald und Feldern in wunderschöner Höhenlage über dem Isartal . Auch nach der 1975 erfolgten Eingemeindung nach Landshut hat Frauenberg bis heute sein dörfliches Flair bewahrt.

Frauenberg, im Hintergrund AdlkofenDie älteste Erwähnung Frauenbergs findet sich in einer Urkunde des Klosters Seligenthal vom 21.4.1298.
Die spannende Geschichte Frauenbergs lässt sich jedoch viel weiter zurück verfolgen. 7000 Jahre alte archäologische Funde aus der Jungsteinzeit belegen, dass das Gebiet um Frauenberg uraltes Siedlungsgebiet ist. Noch heute kann man bei Bodenaufschlüssen mit etwas Glück Bruchstücke steinzeitlicher Artefakte finden.
Bodendenkmäler wie Burgställe, Hügelgräber aus der Bronzezeit, Wüstungen, und die alten Orts- und Flurnamen erzählen von vergangenen Zeiten.

Bekannte Persönlichkeiten lebten in der ehemaligen Gemeinde Frauenberg:  Der weltbekannte Dichter Clemens Brentano; Candid Huber, Benediktinerpater und Botaniker; Maler Ignaz Mayer-Frauenberg; Otto der V., genannt der Faule, und Konradin der letzte Hohenstaufer.

Wahrzeichen Frauenbergs ist die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, in der Mitte Frauenbergs und weithin sichtbar über dem Isartal. Sie wurde im 15. Jahrhundert im gotischen Stil auf den Resten einer romanischen Vorgängerkirche erbaut und enthält eine reichhaltige künstlerische Innenausstattung.

Zum Stadtteil Frauenberg gehören die Ortsteile Aubach, Auloh, Aumühle, Dirnau, Duniwang, Eisgrub, Entenau, Gretlmühle, Neudeck, Reithof, Schaumburg, Schwaig, Stallwang, Sterneck, Wolfstein und Wolfsteinerau.

 

Die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung

Weithin sichtbares Wahrzeichen Frauenbergs ist die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, erbaut im gotischen Stil zwischen 1470 - 1480 auf den Resten einer romanischen Kirche aus der Zeit zwischen 950 und 1250. Davor wird eine hölzerne Kapelle im Zusammenhang mit der Missionstätigkeit des Hl. Erhard vermutet, der hier als Wanderbischof wirkte.

Ab 1866 wieder ein Spitzhelm
Zweimal wurde der Kirchturm durch Unwetter zerstört. Zuletzt 1990 durch Sturm “Wiebke
Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, Luftaufnahme 2005
Wallfahrtskirche Frauenberg, 1712, 1866, 1950, 1990 (Luftaufnahme (c) Andrea Geisselmann)
1712 wurde der Turm aufgestockt und mit einer Zwiebelkuppel versehen

Der Kirchenraum mit dem lichtdurchfluteten Hochaltar aus der Zeit des Rokoko 1758 enthält ein schön figuriertes Netzrippengewölbe,  einen Flügelaltar aus den gut erhaltenen gotischen Altarflügeln des früheren Altars, eine hölzerne gotische Muttergottes mit Kind aus der Zeit um 1350, im Eingangsbereich einen Totenerker, Fresken aus der Zeit um 1580 - 1600, und Bilder und Figuren aus vergangenen Jahrhunderten. Im neuen Kirchenführer beschreibt Heribert Dettenkofer anschaulich die künstlerische Ausstattung, die Frauenberger Wallfahrt, Bräuche und Legenden.

Kirche Frauenbg_collage
Gotischer Flügelaltar um 1480, Holzstatue Madonna mit Kind um 1350, Fresko, Totenrker.  Auf einem sehr alten Gemälde in der Kirche, das den Hl. Erhard darstellt, ist im Hintergrund die Wallfahrtskirche Frauenberg zu sehen, wie sie ab 1712 ausgesehen hat, damals noch mit einer Zwiebelkuppel.

Das Kreuzrippengewölbe

Am Gewölbescheitel im Langhaus befinden sich an den Rippenkreuzungen sieben Schlusssteine, deren Darstellung folgende Zuordnung ermöglichen: Drei Schlusssteine zeigen die Wappen von Adelsfamilien. Es sind dies: das Wappen der Wittelsbacher mit den Bogener Rauten, das Wappen der Herzogin Amalie von Sachsen, sowie das Wappen der in Stallwang und Deutenkofen zur damaligen Zeit begüterten Hofmarksherrn Sandizell. Die Wappendarstellungen dürften ein Hinweis auf Mäzene des Kirchenbaus sein.
Drei weitere mit der Darstellung der Muttergottes, eines Sterns und einer Rose weisen auf die Verehrung der Gottesmutter hin.

Netzrippengewölbe

 

Schlusssteine
Stern
Muttergottes
Rose
Wittelsbacher
Amalie von Sachsen
Grafen von Sandizell


Ungeklärt ist bisher noch die Zuordnung einiger Schlusssteine des Netzgewölbes im Langhaus der Kirche. Es handelt sich wahrscheinlich um zwei Schmucksteine, aber der Dritte enthält ein Wappen, welches übermalt wurde.
Ein ähnlicher Schlussstein findet sich in der Kirche St. Erhard, in Breitenau (Steiermark). Auch auf der Website der Gemeinde Rohr in Mittelfranken wird ein ähnliches Wappen beschrieben. Das Wappen wurde von der Regierung von Mittelfranken am 29.1.1982 genehmigt und entspricht (ohne die nachträglich eingefügten Rohrkolben) dem Wappen einer Familie de Ror oder Rorer, einem Ortsadel, der seit 1285 in Rohr nachweisbar ist. Die Farben Silber und Schwarz erinnern an die grundherrschaftliche Abhängigkeit von den Markgrafen Brandenburg-Ansbach.
Interesssant in diesem Zusammenhang:  Otto V., genannt der Faule, war 1360 - 1373 Kurfürst von Brandenburg und lebte lange Jahre hier bei Frauenberg auf der Burg Wolfstein.

Schluss-Steine unbekannt

Bistumsgrenzen:

Frauenberg gehört seit jeher zur Diözese Regensburg, während das übrige Stadtgebiet von Landshut auf die Diözesen Freising und Regensburg aufgeteilt ist. Die Grenze ist der Schweinbach bzw. die Isar.
Diese seit 724 bestehende eigentümliche und 990 bzw. 1157 mehrfach geänderte Grenzziehung beschreibt der Heimatkundler Peter Käser aus Binabiburg an Hand alter Traditionsaufschreibungen und Urkunden.
Bei der Bereinigung der Freisinger Bistumsgrenze 1157  kam der Teil südlich der Isar zum Bistum Regensburg. Freising wurde entschädigt mit dem Regensburger Gebiet bei Geisenhausen, Johannes-/Stephansbergham und Diemannskirchen. 

PDF-Datei öffnenDen ausführlichen Bericht des Heimatkundlers Peter Käser, Binabiburg, können Sie nachlesen in der PDF-Datei:

 

 

Erhardistein
Grabstelle Candid Huber (links),  Erhardistein (re.)
Die Erhardilegende

Wahrscheinlich handelt es sich bei Frauenberg um eine germanische Opferstätte, die wie viele andere, in eine christliche Kultstätte umgewandelt wurde.

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass der Hl. Erhard in der Zeit um 680/690 n. Chr. hier als Wanderbischof missionierend tätig war und mit dem Bau eines Kirchleins und der Verwendung des “Erhardisteins” als Altarplatte das Fundament für den heutigen Wallfahrtsort Frauenberg legte. Aus seinem segensreichen Wirken haben sich bis heute in der Bevölkerung Erhardilegenden und -brauchtümer sowie Erhardspatrozinien erhalten.

Candid Huber Grab Frauenberg
Die von Candid Huber selbst entworfene Grabschrift
Zum Beispiel werden jeweils am 8. Januar mit alten Modeln Erhardibrote geformt und gesegnet. Sie sollen Mensch und Tier vor Krankheiten schützen. Die Tradition wird bis heute in Frauenberg aufrecht erhalten.

Die Sage, wonach der Hl. Erhard mit dem oben erwähnten Stein bei Gretlmühle über die Isar geschwommen sei, nachdem er von den Altheimer Bauern vertrieben wurde, läßt vermuten, dass hier ein Isarübergang oder vielleicht eine Furt gewesen ist.

An der Außenmauer der Kirche befindet sich rechts neben dem Eingang heute noch der “Erhardistein”.

Links neben dem Erhardistein ist die Grabstätte des Candid Huber, Benediktinerpater und Naturforscher, der lange Jahre in Stallwang in einem kleinen Jagdschloss der Grafen Toerring-Jettenbach lebte und dort seine berühmte “Holzbibliothek” erstellte.  mehr..

 

 

Das alte Frauenberg

Ansichtskarten sind interessante Bilddokumente. Hier die wohl älteste Ansichtskarte von Frauenberg, mit Datum des Poststempels vom 30. Juni 1900. (Verlag von C. Dittmar, Kgl. und Herzogl. bayer. Hof-Photograph) und spätere aus den Jahren 1930, 1950 und 1972.

Frauenberg auf einer Postkarte von 1900
Frauenberg um 1900. Auf dem Foto links im Vordergrund der Seppenjacklhof, im Hintergrund das Dach des alten Schulhauses, rechts neben der Kirche das kleine Mesner-Anwesen, die Frauenberger Schmiede und dahinter der Giebel des Schneider-Gütls mit Krämerei und Schankbetrieb.
Frauenberg-1950
PK Frbg 1972
1950
1972
Frauenberg, Postkarte ca. 1930
Frauenberg um 1940:
Petersgut, die frühere Tafern-Gastwirtschaft (oben li.),
das Schneidergütl, heutige Wirtschaft Frauenberger Stub’n (o. re.),
das alte Schulhaus (u. li.)
und der frühere Seppenjacklhof vor der Wallfahrtskirche

 

Hofnamen und Flurbezeichnungen

Ausschnitt aus dem Baulinienplan von Frauenberg aus dem Jahr 1867. (Sammlung Martin Hans, Frauenberg)
Baulinienplan Frauenbg
Hofnamen, Hausnamen oder Flurnamen sind Hinweise auf geschichtliche und familiäre Ereignisse oder altes Handwerk. Die alten Hausnamen wurden in Verbindung mit dem Vornamen meist zum gebräuchlichen Familiennamen, oft auch bis heute noch.

 

Beispiele:

Der Weinzierlhof ist das älteste Anwesen in Frauenberg. Nach einer Urkunde im Kloster Seligenthal aus dem Jahr 1411 erhielt ein Albrecht von Grub, Sohn des Weinzierls von Frauenberg das Baurecht auf dem Weinzierlhof. Dies deutet auf Weinbau hin, denn Weinzierl bedeutet altbairisch Winzer. Die Hofstelle ist seit 1855 im Besitz der Familie Sedlmaier, die alten Gebäude bestehen allerdings nicht mehr.

Der Schmied, erstmal 1552 erwähnt als Wolfgang der Schmied, ist das zweitälteste Anwesen in Frauenberg.

Das Schneidergütl war zuletzt bis 2005 eine Krämerei mit Bierstüberl. Ab 2010 ist es nach Besitzerwechsel und Renovierung wieder unser Dorfwirtshaus.  mehr...

Der Seppenjacklhof, ein landwirtschaftlicher Betrieb, ist an den Dorfrand ausgesiedelt.

Das Petersgut hatte seit 1795 mehrere Eigentümer. 1862 erhielt der Hof die Konzession für eine Tafern-Gastwirtschaft. Ab 1968 wieder Landwirtschaftsbetrieb.

Der Daffnerhof oder Erberhof, nachgewiesen seit 1860, Erbrechtshof, Landwirtschaft.

Flur “Ziegelacker”, heute noch eine Erinnerung an eine bis vor einigen hundert Jahren zwischen Frauenberg und Martlhaid bestehende Ziegelei. (Nach einer historischen Landkarte)

In unserem Frauenberger Heimatbuch hat Gerd Müller, Auloh, im Kapitel “Hofchronik” dazu umfangreiche Informationen gesammelt.

 

 

Weinbau um Landshut

Besonders interessant sind alte Hofnamen, die Geschichten erzählen, zum Beispiel der Weinzierlhof, das älteste Anwesen in Frauenberg.
Nachdem Weinzierl altbairisch Winzer bedeutet, ist anzunehmen, daß hier früher Wein angebaut wurde. Und tatsächlich gibt es östlich von Frauenberg die Flurbezeichnung Weinberg und sogar eine alte bildliche Darstellung der Weinkelterei “bei Landshut in Niederbayern”.  Es handelt sich um ein Bild  “nach einem  Gobelin aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts im Bayrischen National-Museum zu München”. (Enzyklopädie “Der Mensch und die Erde, von Hans Kraemer, Ausgabe 1906).

Weinlese bei Landshut

Dass schon die Römer an der Isar Wein anbauten, ist nachgewiesen. Die Gegend um Landshut war bis ins späte Mittelalter ein bekanntes Weinbaugebiet. Hofnamen, Flurnamen und Relikte alter Weinberge, zum Beispiel in Frauenberg oder Bruckberg erzählen davon.

In Bruckberg besitzt Heimatforscher und “Hobby-Winzer” Vitus Lechner einen Teil eines ursprünglichen Weinberges den er seit 20 Jahren bearbeitet. Seither experimentiert er mit Rebsorten und suchte die für ihn passenden standortgerechten Sorten, aus denen er nun seinen eigenen Wein herstellt.
Als Geschichtsforscher beschäftigt er sich mit der alten Tradition des Weinbaues, insbesondere an den Hangleiten der Isar. Die Klimaverschlechterung ab etwa 1660 und die Zerstörung der Landwirtschaft im 30-jährigen Krieg ließ den  Weinbau in Vergessenheit geraten. Er meint aber, daß wir vielleicht dank des Klimawandels eine Renaissance des Weinbaues rund um Landshut erleben könnten.