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Frauenberg archäologisch
Wir leben im Raum Landshut in einem archäologisch sehr interessanten Gebiet. In der Jungsteinzeit, vor etwa 7000 Jahren, begannen die Menschen hier sesshaft zu werden, betrieben Ackerbau, entwickelten handwerkliche Fähigkeiten, und haben ihre Spuren hinterlassen. Besonders Frauenberg, hoch über dem Isartal gelegen, war ein günstiger Siedlungsort, er bot Schutz und gutes Ackerland.
Der Bereich Landshut links der Isar mit Altdorf, Altheim, Essenbach oder Oberlauterbach ist durch Ausgrabungen zum Beispiel im Zuge von Straßen- und Autobahnbau oder Baulanderschließungen gut erforscht. Sogar steinzeitliche Kulturen wurden nach solchen Fundorten benannt, wie die Oberlauterbacher Stichbandkeramik oder die Altheimer Kultur.
Hier rechts der Isar um Frauenberg, Reithof, Sittlkofen, Birnkofen, Stallwang, gibt es ebenfalls zahlreiche Bodendenkmäler und immer wieder Oberflächenfunde die seit mehreren tausend Jahren im Boden lagen und mehr oder weniger zufällig durch Bodenbearbeitung zu Tage kommen. Es handelt sich zum Beispiel um Steingeräte, Silexwerkzeuge (Feuerstein), Keramik, Metallschlacken (Eisenschmelzen), Hüttenlehm (neolithische Siedlung, Wandreste). Meine Funde der vergangenen Jahre lassen sich, auch wenn es sich oft nur um Bruchstücke handelt, häufig bestimmten Perioden und einzelnen Kulturen zuordnen. Unterscheidungsmerkmale sind die typischen Formen, Muster und Materialien.
Links: Keramikscherben aus der Hallstattzeit (750 v. Chr.). Mitte: typische Muster der Linearbandkeramik (5000 v. Chr,). Rechts: Stichbandkeramik Oberlauterbacher Typ (4500 v. Chr.)
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Silex-Knollen wurden als Schlag- oder Reibestein verwendet, aus Kernstücken und Plattensilex wurden Werkzeuge gefertigt. Für die hier gefundenen steinzeitlichen Silex-Werkzeuge wurde fast ausschließlich Jura-Hornstein (Hornstein / Silex / Feuerstein) verwendet. Von den bläulich-grau gebänderten Platten oder Knollen, die damals zum Beispiel in Abensberg - Arnhofen gefunden oder abgebaut wurden, sind durch Abschläge scharfkantige Teile abgetrennt worden, die als Messer, Sichelklingen, Schaber oder Bohrer wichtige Werkzeuge waren. Nach Weiterbearbeitung entstanden auch Beile, Dolche oder Pfeilspitzen. Nachdem nicht nur fertige Werkzeuge gefunden werden, sondern stellenweise auch das Ausgangsmaterial in Knollen, Platten, Kernstücken oder Abschlägen, ist zu vermuten, daß sich hier ein Schlagplatz befand, also eine Art Werkstatt, in der das importierte Rohmaterial verarbeitet wurde.
Aus Silex wurden messerscharfe Klingen, Bohrer und andere Arbeitsgeräte hergestellt
Von großer Kunstfertigkeit zeugen diese fein gearbeiteten Pfeilspitzen (3,5 bis 4,5 cm)
.. oder fein bearbeitete Kratzer, Kopfschaber oder Flachschaber
In der Jungsteinzeit (ca. 5000 bis 2200 v. Chr.) wurden aus zähem Gestein, z.B. Amphibolit, Werkzeuge und Waffen hergestellt (1. Axt, 12cm, 2. kleines Einsatzbeil, 6 cm, 3.Schuhleistenkeil, 10,5 cm und Steinbeilfragment, 4. Einsatzbeil, als Klopfstein verwendet, 7,5 cm).
Steinbeilfragmente, Schlaggerät (8 cm), Einsatzbeil (6 cm)
Besonders kunstvoll wurde diese Silex-Spitze gefertigt. Sie hat die selten anzutreffenden Schäftungskerben zur sicheren Befestigung an einem Stiel. (Länge 8 cm, Breite 4 cm). Sie dürfte aus der Bronzezeit stammen, (etwa 2000 v. Chr.)
Perioden und Kulturen, Oberflächenfunde
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Linienbandkeramik 5500 - 4900 v.Chr.
(Linien-, Notenkopf-, Rechenmuster)
(charakteristisches Steinwerkzeug: Schuhleistenkeil)
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Stichbandkeramik 4900 - 4500 v.Chr,
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Oberlauterbacher Stichbandkeramik 4900 - 4500 v. Chr.
(Tiefstichmuster, (benannt nach Fundort bei Landshut)
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Rössener Kultur, 4600 - 4300 v. Chr.
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Münchshöfener Kultur 4300 - 3900 v.Chr.
(benannt nach Fundort bei Straubing)
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Altheimer Kultur 3900 - 3500 v. Chr.
(benannt nach Fundort bei Landshut)
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Schnurkeramik 2800 - 2400 v. Chr.
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Bronzezeit 1800 -
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Urnenfelderzeit 1200 -
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Hallstattzeit (frühe Eisenzeit) 750/700 v. Chr.
(benannt nach Fundort bei Hallstatt, Österr.)
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Latènezeit (späte Eisenzeit) > Kelten um 500 v. Chr.
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Wandscherbe Graphit-Ton
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Andere Oberflächenfunde:
Metallschlacken (Luppen), Raseneisenstein
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Auf den Feldern um Frauenberg wurde früher häufig auch Raseneisenstein und Eisenschlacke gefunden. Dies deutet darauf hin, dass in der Eisenzeit (um 700 v. Chr.) hier Eisen geschmolzen wurde. Meist geschah dies in unterirdischen so genannten Bauernschmelzen oder Rennöfen .
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Hüttenlehm
Teile des Wandverputzes, oft mit abgebildeten Ast- oder Pflanzenresten. Hinweis auf neolithische Siedlung
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Ocker
lichtecht und wetterbeständig, wurde als Farbe verwendet. (In Osteuropa gab es vor 5000 Jahren eine Ockergrabkultur)
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Lößkindl
(Löß-Kalkauswaschungen, wahrscheinlich Eiszeitrelikte)
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Holz, versteinert
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Der Blick in die Vergangenheit ist faszinierend. Wichtig ist aber der verantwortungsvolle Umgang mit Bodendenkmälern und archäologischen Funden. Die durch Erosion, Ackerbearbeitung oder Baumaßnahmen zu Tage tretenden Funde sind wichtige Belege unserer Geschichte und sollten vor Zerstörung bewahrt und gesichert werden. Meine Fundstücke wurden von Frau Dr. Renner (Archäologin, Heimatmuseum Vilsbiburg, freie Mitarbeiterin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege) begutachtet und dokumentiert.
Die nötigen Informationen, Grundkenntnisse oder Beratung bei Funden erhalten “Hobbyarchäologen” auch beim Verein ARLAN, Verein für Archäologie und Bodendenkmalpflege in Stadt und Landkreis Landshut. Zum monatlichen Stammtisch, der immer am zweiten Freitag im Monat stattfindet, sind Gäste willkommen.
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Interessante Links zum Thema Archäologie:
www.arlan.de Verein für Archäologie und Bodendenkmalpflege in Stadt und Landkreis Landshut e.V.
www.blfd.bayern.de Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
www.museum-altdorf.de Das Museum in Altdorf (Adlhoch-Haus)
www.jungsteinsite.de Steinzeit-Forschung, Kulturen und Gruppen, Universität Kiel
Literatur:
Frauenberg - Ein Kirchdorf im Wandel der Zeiten, (Heimatbuch Landshut-Frauenberg). Hier beschreibt u.a. Prof. Dr. Georg Spitzlberger ausführlich die Vor- und Frühgeschichte Frauenbergs, die verschiedenen Kulturen, Keramikfunde, Steinwerkzeuge.
Bodenschätze, Landshut im Spiegel der archäologischen Abteilung der Museen der Stadt Landshut. Ein sehr informatives und anspruchsvoll gestaltetes Buch, 145 Seiten, über archäologische Funde seit der Jungsteinzeit in Landshut und Umgebung. Erhältlich in der Museumsverwaltung.
Schlüssel zur Geschichte, nicht nur ein Führer durch das Museum Adlhochhaus, sondern auch ausführliche Beschreibung archäologischer Funde, Keramik, Werkzeuge, Zeittafel, 104 Seiten. Erhältlich im Rathaus 84032 Altdorf oder im Museum Adlhochhaus, Altdorf.
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