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Die kleinen Exkursionen mit Prof. Dr. Spitzlberger, der auch als Autor an unserem Heimatbuch mitwirkte, sind immer ein besonderes Erlebnis, Zeitreisen in die Geschichte. Hier ein paar Notizen:
Geschichtsträchtiges Rottal
Das an Kunstschätzen und Bodendenkmälern reiche Rottal war Ziel unserer kleinen Wandergruppe. Im landschaftlich schönen Umland von Bad Griesbach besuchten wir einige bekannte, geschichtsträchtige Orte. Unser fachkundiger Führer hatte immer umfangreiche zusätzliche Informationen und amüsante Geschichten parat.
Siebenschläferkirche in Rotthof:
   
An Hand der Grabplatte und des Reliefs erklärt uns Prof. Dr. Spitzlberger die über Generationen ablesbare Geschichte des Verwalterehepaares eines staatlichen römischen Gutshofes im Rottal. Ursus, wohl ein Germane, und seine Frau Flora waren wohlhabende Sklaven, die hier mit Eltern und Sohn bestattet wurden.
Wallfahrtskirche Grongörgen:
 
Wertvolle Glasmalereien aus der Entstehungszeit der Kirche, sie stammen aus einer Landshuter Werkstätte um 1470. Es handelt sich vermutlich um die letzten noch erhaltenen Fenster, nachdem die Glasfenster der Landshuter Martinskirche in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört wurden.
Habererkirche (auch Teufelsfelsen genannt)
   
Es handelt sich um eine Felsformation im Steinkart zwischen Bad Griesbach und Reutern, entstanden im Endtertiär. Sie diente wohl schon in der Altsteinzeit als Wohn- oder Kulthöhle, wie einige Fundstücke, z.B. Silexartefakte, vermuten lassen.
Auf einer Felsmalerei erkennt man eine “Habergoaß” (ca. 140 cm hoch) mit umgebenden kleineren Figuren (ca. 20 cm hoch). Nach Beschädigung nur noch schwer zu finden auf dem Quarzitkonglomerat.
Romanische Baukunst nördlich von Landshut
Unsere kleine baustilkundliche Reise in die Romanik führte in die Gegend nördlich von Landshut, die noch reich an Baukunstwerken aus der Zeit um 1000 bis 1250 ist. Prof. Dr. Spitzlberger erklärte anschaulich jedes noch so kleine Detail und schärfte gleichzeitig den Blick für die großen geschichtlichen Zusammenhänge. Er erläuterte das Typische des romanischen Baustils, wie Mittelschiff, Querschiff, Seitenschiffe, Vierung, Apsiden usw. Besonderen Wert legte er auf die kleinen Kostbarkeiten wie Steinreliefs, Ornamente, Wandfriese oder Säulen und wusste immer wieder interessante Geschichten zu deren Ursprung und Bedeutung.
Oberröhrenbach: Nahe Oberröhrenbach ein kleines romanisches Kirchlein mit Bogenfries und Deutschem Band, gotisch angepasst.
Winklsaß: In Winklsaß ein kleines Steinrelief an der Außenwand. Motiv wahrscheinlich aus keltisch-germanischer Sagenwelt und im Christentum integriert.
Mallersdorf: Typisch romanisches Portal, Steinplastik, Pfeiler/Säule/Pfeiler, Rundbogenfries über Kapitell, Knotensymbolik
   
Aiterhofen: Romanische Kirche mit Mittelschiff, Seitenschiffen, Apsis. Erbaut Anfang 13. Jahrhundert, 1883 Flachdecke durch Gewölbe ersetzt. Ornamente, Rundbogenfries, Deutsches Band, Blendfeld (Rundbogenfries eingetieft). Renovierung 1913 im Jugendstil (durch Michael Kurz und Theodor Baierl).
  
Paring: Klosterkirche St. Michael, Portal
  
Langquaid: Kirche St. Jakobus, freigelegte Steinreliefs
  
Biburg: Romanische Kirche Maria Immaculata mit gotischer Decke. Durch den Umbau wurde auch die Dachneigung geändert.
     
Pförring: Romanische Türme, Portal mit christlichem Kreuz und Sonnensymbol aus anderen Religionen.
 
Im Meteoritenkrater Nördlinger Ries
Bei unserem Tagesausflug nach Nördlingen war zwar nur ein kurzer Einblick in das so genannte Ries-Ereignis vor 14,5 Millionen Jahren möglich, aber die Informationen, die wir von Prof. Dr. Spitzlberger im Verlauf dieses wunderschönen Frühlingstages während der Fahrt und bei Wanderungen zum Ries-Museum, zu einem römischen Gutshof, zur Ofnet-Höhle bei Holheim und zum Steinbruch Alte Bürg erhielten, waren wieder umfassend und kurzweilig. Immer wieder konnte er an Hand von Fundstücken die großen Zusammenhänge allgemeinverständlich erklären.
Hier nur einige Stichworte und Bilder über unsere kleine Exkursion:
Über die Entstehung des Nördlinger Rieses wurde lange gerätselt, vermutet wurden früher z.B. Vulkanausbrüche. Seit 1936 wurde die Meteoritentheorie diskutiert und erst 1960 hat sie der Amerikaner Shoemaker (NASA) bewiesen.
Das Thema beschäftigte uns auch zu Hause in Landshut noch weiter, steht doch die Umgebung von Landshut mit ihren Bentonitvorkommen in besonderer Beziehung zum Ries-Ereignis. Hier ging der “Staub” nach dem Meteoriteneinschlages nieder.
Alemoniten, ausgeschleudertes zerbrochenes und geschmolzenes Gestein, kann man ebenfalls auf den Höhen um Landshut finden. Moldavit ist geschmolzenes Gestein, das als “Glas” erkaltet und erst in größerer Entfernung niedergegangen ist, hauptsächlich in Südböhmen. Suevit ist das typische Gestein in Einschlagkratern. Auf der Erde kommt es besonders im Ries vor. Außerdem auf dem Mond.
   
  
Weiterführende Links:
Rotthof: Siebenschläferkirche, St. Peter und Paul, um 1500, mit mehreren römischen Grabsteinen und Reliefs. (www.siebenschlaeferkirche.de)
Asbach: Klosterkirche Asbach, ehemalige Benediktinerabtei, Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums. (www.bayerisches-nationalmuseum.de/Win/g/g07.htm)
Sammarei: Wallfahrtskirche, vollendet 1631, darin die überbaute ursprüngliche Holzkapelle. (www.wallfahrtsland-sammarei.de) Der Ortsname entstand durch die volkstümliche niederbayerische Übersetzung: Hl. Maria, Sankt Marei, Sammarei.
Grongörgen: Wallfahrtskirche, erbaut 1460-1472, Papst Gregor dem Großen geweiht, daraus ist auch der Ortsname entstanden. (www.pilgerweg-vianova.eu)
Habererkirche: Naturdenkmal im Steinkart (Wald mit vielen großen Quarzkonglomerat-Steinblöcken) zwischen Bad Griesbach und Reutern. (www.brauchtumsverein-bad-griesbach.de/haberer.htm)
http://web.rgzm.de (Römisch-Germanisches Zentralmuseum; archäologische Publikationen)
www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/bayern/sagen_niederbayern.html (Mag. Morscher, Universität Innsbruck; Sagen aus Niederbayern)
www.geopark-ries.regio-city.de/ (Nördlinger Ries, Übersichts- und Ereigniskarte)
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