Frauenberg_

Geschichte

Bodendenkmäler, Hügelgräber, Wüstungen, archäologische Funde, Burgställe oder Persönlichkeiten der Geschichte sind Zeugen der wechselvollen Zeit der Besiedelung Frauenbergs, die sich bis in die Steinzeit zurück verfolgen lässt.

 

 

Die ehemalige Straßburg und der bischöfliche Isarübergang

Nördlich von Frauenberg, auf der Isarhangleite, stand früher zum Schutz eines vorgeschichtlichen Isarübergangs bei Gretlmühle eine imposante Burg, die dem Bischof von Regensburg gehörte. Sie wurde 1203 bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit Herzog Luwig I. zerstört und nicht wieder aufgebaut. Dies dürfte der “Startschuss” gewesen sein für die Gründung der Stadt Landshut mit neuem Isarübergang.
Ausführliche Beschreibungen dieses historischen Bodendenkmals und Forschungsberichte gibt es von Prof. Dr. Spitzlberger, der sich seit 1953 mit der Straßburg beschäftigt, zum Beispiel im 116. - 117. Band der Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern und zuletzt in unserem Frauenberger Heimatbuch. Er erklärt ausführlich den Isarübergang, die bischöfliche Brücke und die ausgedehnte ehemalige Burganlage.

Links oberhalb der Straße die durch den Wald nach Frauenberg führt, lassen der Turmkegel, das Plateau und Wallanlagen noch die frühere Ausdehnung der Burg mit Turm und Wohnbereich erkennen. Manchmal findet man auch heute noch Keramik- und Ziegelreste, die darauf hindeuten, daß zumindest ein Teil der Burg aus Zieglmauerwerk  bestand.

Blick von Frauenberg ins Isartal

Blick von Frauenberg ins Isartal
 

Altheim
 

Mirskofen
 

Essenbach
 

Burgkegel der Strassburg


Altstraße von Gretlmühle nach FrauenbergAuf dem Weg nach Frauenberg findet sich links der Straße der alte Weg zur Burg und im steilen Hanggelände rechts der Straße deutlich sichtbar die Trasse einer mittelalterlichen Altstraße die von Gretlmühle nach Frauenberg führte.
Hier könnte auch die Römerstraße von Verona nach Regensburg die Isar überquert haben. Beweise fehlen allerdings. Heute wird der Isarübergang  eher weiter isaraufwärts vermutet.


Wandmalerei am alten Bauernhaus StraßburgAußer frühen urkundlichen Erwähnungen sind bisher keine Baubeschreibungen oder bildlichen Darstellungen der Burg bekannt.
Eine Wandmalerei am alten Bauernhaus (2010 abgerissen) neben dem Burggelände entstammt der Fantasie eines früheren Besitzers.

 

Straßburg - historischer Plan, Dr. Spitzlberger
Strassburg - Luftaufnahme, S. Ramsauer
Historischer Plan der Straßburg, erstellt 1991 von Prof. Dr. Spitzlberger, der seit 1958 das Gelände erforscht und Funde sicherte.
Rechts eine Luftaufnahme aus dem Jahr 2016 von Siegfried Ramsauer.

Lesefunde:

Lesefund Keramikscherben, Henkel, Mittelalter,  Straßburgplateau
Lesefund Keramik, mittelalterl. Wellenstrichverzierung, Straßburgplateau
Lesefund Keramik,  Randscherbe mit schrägen Kerben, Neolithikum, Straßburgplateau
Lesefunde Keramik, Neolithikum / Mittelalter

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt Neudeck. Dort ist noch ein tiefer Geländegraben einer ehemaligen kleinen Burg zu erkennen, die wahrscheinlich zur Strassburg gehörte und ebenfalls 1203 zerstört wurde.

 

Die ehemalige Burg Wolfstein

Unmittelbar nach Strassburg, Neudeck und Schaumburg folgt auf der Isarleite die Burg Wolfstein, von der noch Reste eines Kellergewölbes und Mauern als Fundament eines bäuerlichen Anwesens erhalten. Bis 1965 war dort eine beliebte Ausflugsgaststätte.

Holzstiche aus dem Jahr 1891 zeigen Teile der alten Burganlage in ihrer wunderschönen Lage nahe der Wolfsteinerau auf den Hangleiten hoch über dem Isartal.

ehemalige Burg Wolfstein nach einem alten Holzstich aus dem Jahr 1891

Die Burg gehörte ebenso wie die Schaumburg, deren Burgstall mit Burghügel noch deutlich erkennbar ist, den Wittelsbachern und war sozusagen der Gegenpol zur Strassburg, die dem Bischof von Regensburg gehörte. In Wolfstein wurde 1252 Konradin der letzte Hohenstaufer (König von Sizilien und Jerusalem, Herzog von Schwaben) geboren.

Auch Otto V. Markgraf von Brandenburg und Bayern, genannt Otto der Faule, lebte nach seiner Abdankung von 1373 bis zu seinem Tod 1397 auf der Burg Wolfstein.

Eine alte Ansichtskarte aus der Postkartensammmlung von Karl Dengler, Auloh, zeigt das Wirtshaus Wolfstein um 1900:

Wolfstein auf einer Postkarte um 1900 (Sammlung Karl Dengler)

 

 

Otto der V., genannt der Faule, Markgraf von Brandenburg

Otto V., genannt der Faule, (1346 - 1379) war Herzog von Bayern und Markgraf von Brandenburg und lebte viele Jahre bis zu seinem Tod auf der Burg Wolfstein. Da seine Ehefrau Katharina mit dem Landleben nicht einverstanden war, lebte er hier allein. Unterhalb der Burg war eine Mühle an der Isar und er verliebte sich, wie die Sage erzählt, in die schöne Müllerstochter Gretl, nach der auch Gretlmühle benannt ist.
In unserem Frauenberger Heimatbuch hat Heribert Dettenkofer die Geschichte des Markgrafen und sein Leben anschaulich beschrieben.

Erst nachträglich entdeckte ich die interessante Vorgeschichte der im Heimatbuch abgebildeten Standfigur.

Foto aus "Das archäologische Jahr 1998", Konrad Theiss Verlag,  StuttgartOtto V., genannt "der Faule", Bild: Musseen der Stadt Landshut, Toni OttBei Umbauarbeiten in einem Nachbarhaus der Martinskirche, Landshut, fand man 1998 in einem bisher zugemauerten Kellerraum 45 Steinfragmente, die sich zu einer 2,2o m großen Skulptur zusammensetzen ließen. Vermutet wurde zunächst ein Heiliger oder Adeliger, der im Martinsfriedhof stand bis deiser 1805 aufgelöst wurde.
In “Das archäologische Jahr in Bayern 1998”, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, ist die Fundgeschichte ausführlich beschrieben. (S. 132; “Eine gotische Großplastik aus dem Keller des sog. Palzhauses bei St. Martin in Landshut”. Autoren: B. Engelhardt und F. Niehoff).

Foto li: Museen der Stadt Landshut, Toni Ott,
Foto re: Konrad Theiss-Verlag, Stuttgart

Eine weitere Episode aus dem Leben Ottos erzählte  der Kirchturmführer der Wallfahrtskirche Maria-Ramersdorf in München. Dort befindet sich im rechten Seitenaltar (Kreuzauffindungsaltar) ein Umhängekreuz mit Kreuzpartikelreliquie, welches der Vater von Otto V., Kaiser Ludwig IV. (der Bayer), anlässlich seiner Kaiserkrönung im Petersdom vom Papst geschenkt bekam. Nach bisherigen Erkenntnissen hat Otto V. dieses Kreuz 1379, also kurz vor seinem Tod, der Kirche geschenkt.

 

 

Die Hofmark Stallwang, Candid Huber und das ehemalige Jagdschlösschen

Colorierte Apian-Karte, Weiner 1579Ein versteckter kleiner Ort ist der “Edelsitz Stallwang, zwischen den Hügeln gelegen”, wie ihn Alois Staudenraus 1838 beschreibt, als ihn eine Wanderung von Landshut über die Schwedenschanze und Schönbrunn nach Frauenberg führte.
Er suchte vergebens nach dem schönen Jagdschloss der Grafen Toerring-Jettenbach-Gutenzell in Stallwang. An Candid Huber, einen Benediktinermönch und Naturforscher, der im Schloss lange wohnte und durch seine Holzbibliotheken und Bücher über Forstbotanik berühmt wurde, erinnerten aber noch Obstbäume im Dorf, die dieser dort selbst gepflanzt hatte. Das Schloss aber, “es war abgebrochen und die Steine der adeligen Gemäuer zieren wahrscheinlich einen Kühe-Stall”, schrieb er.

Leider wurden 1982 auch die letzten Spuren des Bodendenkmals eingeebnet.

Candid HuberBerichte und Erzählungen über das bewegte Leben Candid Hubers sind z.B. zu finden im

  • Heimatbuch Frauenberg, mehr...
  • im Büchlein “Spaziergänge in und um Landshut” (A. Staudenraus, 1838),
  • im 22. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins Landshut e.V. (1956) und
  • in den Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern, Band 138 (2012, Karl Dengler)
Erhardistein u. Grabmal Candid Huber
Das Grabmal Candid Hubers befindet sich in Frauenberg an der Kirchenmauer rechts vom Kircheneingang,  daneben der Erhardistein.
Außerdem hat Karl Dengler, Landshut, anhand zahlreicher Quellen und alter Urkunden das Leben des Candid Huber erforscht und mosaikartig ein spannendes Bild zusammengesetzt. Er beschreibt seinen bewegten Lebenslauf, seinen Briefwechsel, sein Musiktalent, und seinen Freundeskreis und zeichnet an Hand von Plänen und Ur-Katastern auch die Geschichte des einstigen Jagdschlosses von Stallwang nach. Nachzulesen bei www.arlan.de
unter Geschichte / Stadt Landshut / Frauenberg

 

 

 

 

 

Der Maler Ignaz Mayer-Frauenberg

Ignaz Mayer wurde 1874 in Birnkofen, nahe Frauenberg, als neuntes von zehn Kindern geboren und sollte eigentlich Pfarrer werden. Rechtzeitig wurde jedoch sein Talent entdeckt und gefördert. Er verließ 1892 das Gymnasium, lebte ab 1901 in München, lernte bekannte Maler kennen, vor allem aber den Tiroler Maler Franz von Defregger aus Südtirol, sein besonderes Vorbild und sein Lehrmeister. Ignaz Mayer-Frauenberg, wie er sich nun nannte, beschickte Ausstellungen in den USA und in Paris. Mit seinen urwüchsigen Bildern, hauptsächlich Charaktere aus aus Bayern und Südtirol, aber auch Landschaftsmalereien, wurde er nun international bekannt.

Wandmalerei1
Wandmalerei2

Glücklicherweise gibt es noch einige seiner typischen Bilder, vereinzelt auch Landschaftsmalereien. Sogar Wandmalereien, datiert 1894, als Ignaz Mayer also 20 Jahre alt war, sind noch im ehemaligen Wohnhaus vorhanden. Der Mayer-Hof in Birnkofen besteht noch, allerdings wird das alte Wohnhaus bald einem Neubau weichen müssen.

Der Lebenslauf des in Frauenberg/Birnkofen geborenen Malers Ignaz Mayer-Frauenberg (1874 bis 1932) ist im Frauenberger Heimatbuch ausführlich beschrieben.

Wandmalerei3
Maler Ignaz Mayer-Frauenberg, Holzfäller, bayerischer Bauer, südtiroler Bauer

Holzfäller

Bayerischer Bauer

Südtiroler Bauer

Signatur_MayerFrbg